Michael Pollan: Kochen. Eine Naturgeschichte der Transformation

Vincent Klink als Rezensent von Michael Pollans Buch:
„Ein Buch, das faucht und glüht“
Spitzenköche haben eigentlich keine Zeit für Kochbücher. Vincent Klink hat für uns eine Ausnahme gemacht und Michael Pollans Ausführungen über das Kochen studiert. Wissenschaftliche Präzision trifft darin auf Sinnlichkeit.
Hier ein Ausschnitt aus seiner Besprechung:

Lächelnde Fleischbrühe

„Es gibt mittlerweile und allerorten, im und um den gehobenen deutschen Küchendunst, einen pseudowissenschaftlichen hohen Ton. In Kolumnen und Büchern psalmodieren Gastronomie-Autoren über die einfachsten Küchenvorgänge, um mittels komplizierten Adorno-Sprachfeuerwerks sich selbst zu erhöhen und das Publikum umso mehr zu entmutigen. Michael Pollans Erzählkunst hingegen, seine Vorlesungen über Kochkunst, lese ich mit Freuden: Ich habe mich in das Buch geradezu hineingefressen.
Auch wenn manche Behauptungen nicht exakt stimmen, aber egal – Kochen wird sowieso nie eine exakte Wissenschaft werden. Selbst ein Kostverächter wird nach der Lektüre so weit konvertieren, dass er in den Abhandlungen die Eckpfeiler des menschlichen Daseins erkennen dürfte – Feuer, Wasser, Luft und Erde. Lesend schlägt sich mir die Einsicht aufs Gemüt, mit welch innerer Energie und Kraft das Feuer und der Rauch die menschliche Entwicklung beeinflussen. Glücksgefühle stellen sich ein, als der schreiberische Furor des Autors sich beruhigt und er sich um die stille, manchmal meditative Bedachtsamkeit eines Topfs mit „lächelnder“ Fleischbrühe kümmert.
Wir erfahren, dass Kochen im Topf eindeutig auf einer höheren Entwicklungsstufe steht als das Küchenwerkeln am offenen Feuer. Der Autor vermittelt, wie sehr die Evolution der Menschheit unmittelbar mit solchen Einsichten zusammenhängt. Zu dieser Thematik kommen auch Philosophen zu Wort, Claude Lévi-Strauss wird zitiert; und in der Tat sind die Phänomene zwischen Rohem und Gekochtem von essentieller Bedeutung für den Fortschritt der Ernährungskultur. Ein Lob auch für Pollans Recherchefleiß und die wissenschaftliche Untermauerung seiner Thesen, aber Achtung!, niemand sollte Angst bekommen. Neben den wissenschaftlichen Passagen begibt sich der Autor auch immer wieder in die Praxis, besucht bemerkenswerte Köchinnen und Köche.“

Hier die brillante Rezension des Kochkünstlers Vincent Klink:

So. nun verstehen Sie vielleicht, warum wir Vincent Klink nicht nur als Koch, Mäzen und vieler anderer Begabungen wegen verehren – Literaturkritik kann er auch richtig gut.

VINCENT KLINK, Foto: Florian Manz

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Michael Pollan: Kochen.

Pollan, Michael: Kochen
Eine Naturgeschichte der Transformation
Übersetzung: Weitbrecht, Renate; Heinemann, Enrico; Hald, Katja
2014
524 Seiten, gebunden
– Verlag Antje Kunstmann –
EUR 29.95

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