Jérôme Ferrari: Nach seinem Bilde

Antonia, eine junge Fotografin, trifft eines Abends an einem korsischen Hafen unerwartet auf den Söldner Dragan Ð., den sie zehn Jahre zuvor im Jugoslawienkrieg kennengelernt hat. Ihre Unterhaltung dauert bis in die frühen Morgenstunden eines heißen Sommers an. Übermüdet, entscheidet sich die junge Frau heimzufahren, und verunglückt tödlich.

Die Totenmesse wird von einem Priester abgehalten, der zugleich ihr Onkel ist. Um seiner unendlichen Trauer über die innig geliebte Nichte nicht zu erliegen, entscheidet er sich für die strikte Einhaltung der Regeln der Liturgie. Doch unter den Trauernden steigen im Glutofen der kleinen Kirche Bilder der Erinnerung aus dem Leben der Verstorbenen auf …

Neben den grotesk humorvollen Schilderungen der Dorfbewohner kommt der militante Nationalismus auf Korsika zur Sprache, die Brutalität des Bürgerkriegs im auseinanderfallenden Jugoslawien und die verheerenden Kriege des 20. Jahrhunderts.

Jérôme Ferrari nutzt die fiktionalen Fotografien seiner Heldin und die historisch verbürgten Bilder zweier Kriegsfotografen, um den modernen Menschen zerrissen zwischen Hoffnung und Grauen zu zeichnen.

Verlorenheit, Nächstenliebe, christlicher Glaube, Macht und Menschlichkeit bilden die Pole seiner Erzählung, in der es ihm gelingt, unsere Gefühle zu unserer heutigen Welt und die daraus gewonnenen Vorstellungen von ihr ins Wanken zu bringen.

Nach ihrem Bilde ist ein literarisches Kleinod über die »unentrinnbare Niederlage des Menschen« und zugleich ein Roman über die Triebkräfte des Menschen, zu denen die immer wieder enttäuschte Hoffnung auf ein besseres Leben ebenso gehört wie der unveränderliche Drang nach Macht und ein unverbesserlicher Egoismus.

Seine radikalen Perspektive auf die Vergeblichkeit des menschlichen Tuns hält Jérôme Ferrari die Schönheit der Sprache entgegen und erweist sich damit einmal mehr als großer Stilist unserer Zeit.

 

Lesung mit Jérôme Ferrari am 30.10. um 19.30

Moderation: Chiristian Ruzicska (Verleger)

 

© Mathias Bothor

 

 

 

 

 

 

 

 

Jérôme Ferrari, geboren 1968 in Paris, lebt als Schriftsteller und Philosophiedozent in Ajaccio auf Korsika. Mit seinem Roman „Predigt auf den Untergang Roms“, der 2012 mit dem begehrten Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, gelang ihm sein internationaler Durchbruch.

„Nach seinem Bilde“ ist der sechste Roman in deutscher Ubersetzung.

 

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Jérôme Ferrari: Nach seinem Bilde

Roman
Übersetzung: Christian Ruzicska
2019
Sprache: Deutsch
208 Seiten,   210 x 135 mm, gebunden, mit Lesebändchen
– Secession Verlag für Literatur –
20.00 EUR    

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