John Connolly: Stan

 

Ein Greis blickt zurück auf sein Leben.
Es beginnt vor dem Ersten Weltkrieg, als ein junger britischer Komiker nach Amerika fährt.
Auf der Bühne hat er wenig Glück. Aber dann dreht er in einem Dorf namens Hollywood seinen ersten Film. Wenige Jahre später ist er ein Weltstar, zusammen mit seinem besten Freund.
Die beiden werden bis zu Ollies Tod untrennbar sein, danach wird er nie mehr einen Film drehen, sondern bis zuletzt Dialoge für Ollie und sich schreiben.
Dieses Leben erzählt Connolly vor der faszinierenden Kulisse der Traumfabrik, die so voller Glanz und Schatten war.

 

 

 

(Leseprobe: )
Der menschliche Geist ist ein Theater. Man darf nicht zulassen, dass das Licht ausgeht. Der Betrieb muss aufrechterhalten werden.
Das ist es, was sein Vater tut. Arthur Jefferson, sein Erzeuger; Retter, Restaurator, Besitzer von Sälen in britischen Städten. Er trägt A. J.s Namen mehr als ein halbes Leben lang und A. J.s charakteristische Züge noch viel länger.
Er wird zu A. J.s Ebenbild, und A. J.s Enttäuschung über ihn ist die logische Konsequenz.
Er ist ein Kind und lebt im Schlagschatten seines Vaters.
Jetzt beobachtet er, dieses Kind, wie A. J. in Bishop Auckland im Eden steht, die neue Beleuchtung bewundert, die gepolsterten Sitzreihen, die goldfarbenen Malerarbeiten, ganz so, wie A. J. auch im Royal in Consett stehen wird,
im Royal in Blyth,
im Tynemouth Circus in North Shields,
im Metropole in Glasgow
(weil, wie A. J. ihm erklären wird, Namen einen Rhythmus haben und Orte eine Poesie).
Jeder einzelne Theatersaal vor dem Lichtaus bewahrt durch A. J., den Impresario, A. J., den Dramatiker, der sich Stücke ausdenkt, um die Massen zu seinen Veranstaltungsorten zu locken, und aus dem die Wörter so schnell herauspurzeln, dass A. J. kaum schnell genug schreiben kann, um sie zu Papier zu bringen, bevor sie sich verflüchtigen. Doch A. J.s Einfälle sind seicht, und nur ihre Wortfülle verleiht ihnen Gewicht. Langsam lernt A. J. dazu. A. J. ist kein Stückeschreiber.
Die Dramen werden abgesetzt, an ihre Stelle treten Sketche und Parodien.
Von alldem wird er Zeuge, als Knabe und als junger Mann, dieser Mond der Sonne A. J., der auf dem Dachboden seine Bühnenauftritte vor leeren Sitzen und unter den prüfenden Blicken von Gliederpuppen probt…

« Zurück zur Übersicht

 

John Connolly: Stan

Übersetzung: Gottfried Röckelein
2018
Sprache: Deutsch
528 Seiten, 210 mm, gebunden
– Rowohlt, Reinbek –
24.00 EUR